„Zeit für einen nationalen Schulterschluss“

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Mag. Martin Amor

Mediensprecher und Experte, Industriellenvereinigung Wien

Mag. Martin Amor

Mediensprecher und Experte, Industriellenvereinigung Wien

Präsident Christian Pochtler und Bürgermeister Michael Ludwig diskutierten im Rahmen der Vollversammlungder IV-Wien vor allem über die gemeinsame Vision der „Technologiemetropole Wien“. Über den Gesprächen schwebteaber das alles beherrschende Thema der aktuellen Energiekrise.

In seiner Rede warnte Präsident Pochtler eindringlich davor, die Belastungen aufgrund der hohen Energiepreise auf die
leichte Schulter zu nehmen. Die Prognosen zahlreicher Ökonomen würden zwar nahelegen, Österreich könne noch mit
einem „blauen Auge“ davonkommen. „In der exportorientierten Industrie befinden wir uns aber bereits jetzt in der Rezession,
Unternehmen drosseln ihre Produktion oder wandern ab.“ Diese Entwicklung könne zu einer Deindustrialisierung Europas führen, so Präsident Pochtler, der daher einmal mehr die Forderung der IV nach entschiedenen Maßnahmen auf EU-Ebene betonte: „Wir kommen an einem temporären Markteingriff mit einer Entkoppelung der Gas- und Strompreise sowie einer Preis- und Mengendeckelung nicht herum.“ Man sei hier eben aufgrund des Krieges in der Ukraine in einer extremen Ausnahmesituation.

Richtige Schlüsse ziehen

Sowohl auf europäischer Ebene wie vor allem auch in Österreich gelte es, aus der aktuellen Situation zudem die richtigen
Schlüsse zu ziehen. So sei klar, dass man mehr eigenen Strom produzieren müsse. Dabei sollte sich Europa keine Option durch selbst auferlegte, ideologisch motivierte Tabus verbauen: „Technologieoffenheit lautet die Devise“, so Pochtler. Die Energiewende werde man zudem nicht durch „simple Zielvorgaben seitens der Politik meistern. Wir brauchen konkrete, durchdachte und realistische Maßnahmenpläne.“ Klar sei damit aber auch, dass man vor den „größten Herausforderungen der jüngeren Geschichte“ stehe, so Pochtler, der daher einen „nationalen Schulterschluss und ein Ende des kleinlichen Parteien-Hickhacks“ verlangte: „Wir haben hier die Chance, gemeinsam die Zukunft erfolgreich zu gestalten!“

Technologiemetropole Wien

In seiner Rede sowie der anschließenden Diskussion mit Präsident Pochtler betonte Bürgermeister Ludwig die „exzellente Kooperation“ mit der Wiener Industrie. „Es ist sicher wichtig, den Stolz auf die Produkte und Lösungen der Wiener Industrie noch mehr nach außen zu tragen“, so der Bürgermeister. So sei auch die enge Zusammenarbeit von Industrie sowie Universitäten und Forschungseinrichtungen in Wien ein zentrales Asset, um der gemeinsamen Vision von „Wien als Technologiemetropole von Weltrang“ einen Schritt näherzukommen.


Zudem gelte es, mutige Akzente gegen den Fachkräftemangel zu setzen. Dabei solle man auch geflüchteten Menschen langfristige Perspektiven in Österreich bieten, so Ludwig. Vor allem aber brauche es in Wien auch Investitionen in die Infrastruktur, vom Verkehrssektor bis zum Energiebereich, Stichwort „Geothermie“, sowie bei der digitalen Infrastruktur mit Glasfaser- und 5G-Netztechnologie, um die Stadt fit zu machen „für den nächsten Schritt der Digitalisierung“.