Pochtler: Diskussion über generelle Vier-Tage-Woche absurd

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Mag. Martin Amor

Mediensprecher und Experte, Industriellenvereinigung Wien

Mag. Martin Amor

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Arbeitskräftemangel in Österreich bereits jetzt eine Wachstumsbremse – Arbeitszeitverkürzung in vielen Branchen schlicht unmöglich – Demografie wird Lage weiter verschärfen

„Angesichts des derzeitigen Arbeitskräftemangels ist es einfach nur absurd, dass manche nach einer generellen Vier-Tage-Woche für alle rufen“, so der Präsident der Industriellenvereinigung Wien, Christian C. Pochtler. „Jeder kann gerne träumen, aber am Ende des Tages muss man dann auf den harten Boden der Realität zurückkehren. In den meisten Branchen wäre eine Vier-Tage-Woche ohnehin nicht möglich – etwa, wenn Sie an den produzierenden Bereich denken, aber beispielsweise auch bei Kindergarten- oder Schulpädagoginnen und -pädagogen.“ Bereits jetzt führe der Arbeitskräftemangel zu Problemen in vielen Bereichen, wie der Präsident ausführte: „In der Industrie kämpfen wir vor allem mit einem Fachkräftemangel – das kostet Wertschöpfung und damit Wohlstand für uns alle. Immerhin erwirtschaften wir jeden zweiten Euro im Export.“

 

Große Probleme bereite der Arbeitskräftemangel aber eben auch in anderen Branchen, wie im gesamten Bildungsbereich, im Gesundheitswesen, bei der Pflege oder auch beim Tourismus. Eigentlich, so Pochtler, sei „jede Branche betroffen. Wie soll da eine generelle Vier-Tag-Woche mit einer Verkürzung der Arbeitszeit noch dazu vielleicht mit vollem Lohnausgleich funktionieren?“ Man wisse zudem, dass aufgrund der demografischen Entwicklung das Problem des Arbeitskräftemangels keineswegs kleiner werde: „In den nächsten zwölf Jahren werden uns allein aufgrund der Demografie eine halbe Million Arbeitskräfte fehlen. Bitte bleiben wir realistisch, eine Arbeitszeitverkürzung mag individuell in einigen wenigen Branchen machbar sein, alles, was darüber hinaus geht, ist aber reine Fantasie und untergräbt das Fundament unseres Wohlstandes.“

 

Vielmehr müsse man dringend Anreize für mehr Arbeit setzen. Beim Thema Teilzeit gehe es etwa keineswegs nur um Eltern mit Betreuungspflichten. „Leistung muss sich wieder lohnen. Die IV hat hier zahlreiche Vorschläge gemacht, wie etwa eine Steuerfreistellung von 20 Überstunden, um ein Beispiel zu nennen. Außerdem braucht es Maßnahmen, um die Menschen auch zu längerem Arbeiten und einem späteren Pensionsantritt zu bewegen, ansonsten wird es auch nicht gelingen, die nachhaltige Finanzierbarkeit des Pensionssystems zu sichern. Über diese Themen müssen wir in Österreich nun ernsthaft reden – und nicht über Arbeitszeitverkürzung und Vier-Tage-Woche“, so Pochtler abschließend.