Gesundheitswirtschaft im Fokus

Am 23. Februar diskutierten Vertreter aus Industrie und Politik über die Zukunft der Medizinprodukte- und Pharmaindustrie. Dabei wurde in Kooperation mit Austromed auch ein Positionspapier der IV-NÖ, IV-Wien und IV-Burgenland präsentiert.

Bildunterschrift siehe am Ende des Beitrags

Unser Gesundheitssystem hat eine hohe Qualität, wir lassen uns diese aber auch sehr viel kosten – so der Tenor der Diskussion unter dem Motto „Zukunftsstrategien für die Medizinprodukte- und Pharmaindustrie“. Debattiert wurde vor allem auf Basis eines neuen Positionspapiers, das in einem Arbeitskreis der IV und Austromed sowie mit über 20 Unternehmensvertretern erstellt wurde. 

Bestbieter- statt Billigstbieterprinzip

„Um das System nachhaltig zu verbessern, müssen wir weg vom Billigstbieterprinzip, und hin zum Bestbieterprinzip“, sagte dazu Wolfgang Köppl, Leiter der Siemens Healthcare CEE. Gleichzeitig waren sich alle Diskutanten einig, dass es nicht immer trivial ist, den Bestbieter zu ermitteln. „Hier ist insbesondere Transparenz wichtig, um die richtigen Entscheidungen zu treffen“, so Sonja Wehsely, amtsführende Stadträtin für Gesundheit, Soziales und Generationen. Zudem müsse das System immer ganzheitlich betrachtet werden, wie Ulrike Rabmer-Koller, Vorstandsvorsitzende im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, erklärte: „Neue, oft hochpreisige Medikamente führen häufig zu niedrigeren Behandlungskosten etwa in den Krankenhäusern. Hier muss es einen Ausgleich geben.“

Philipp von Lattorff, Generaldirektor der Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co KG, betonte, dass die heimischen Medikamentenpreise im internationalen Vergleich niedrig seien: „Viele Händler erwerben die Produkte daher in Österreich und verkaufen sie teurer im Ausland. Außer den Händlern hat da aber niemand etwas davon.“ 

Mehr Anerkennung für Innovationen

Ein weiteres Hauptthema der Diskussion war die Frage, wie Innovationen in der Gesundheitswirtschaft gefördert werden können. „In der Vergabe werden Innovationen jedenfalls nicht entsprechend berücksichtigt. Dieser Mehrwert sollte mehr anerkannt werden“, so Gerald Gschlössl, Vertriebsleiter der Lohmann & Rauscher GmbH und Präsident der AUSTROMED. Einig waren sich alle Diskutanten darüber, dass Innovationen schneller bei den Patienten ankommen müssen, hier hat Österreich noch Aufholbedarf. 

Factbox: 

  • Die Gesundheitswirtschaft im Sinne von Medizinprodukte- und Pharma-Branche besteht österreichweit aus 800 Unternehmen mit insgesamt rund 52.000 Beschäftigten und knapp 20 Milliarden Euro Jahresumsatz.
  • Jeder Euro an Wertschöpfung generiert rund einen weiteren Euro an Wertschöpfung in Österreichs Wirtschaft.
  • Jedem Beschäftigten steht mindestens ein weiterer Arbeitsplatz gegenüber, der durch diese Branchen gesichert wird (Beschäftigungsmultiplikator: Medizinprodukte: 1,92, Pharma: 2,65)
  • Österreich gab 2013 10,8 Prozent seines BIP für das Gesundheitswesen aus und bewegt sich damit im oberen Rahmen der entwickelten Industrienationen.

Am Podium (v. l.):

Philipp von Lattorff, Generaldirektor Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co KG, Ulrike Rabmer-Koller, Vorstandsvorsitzende im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Sonja Wehsely, amtsführende Stadträtin für Gesundheit, Soziales und Generationen, Moderatorin Corinna Milborn, Wolfgang Köppl, Leiter der Siemens Healthcare CEE und Gerald Gschlössl, Vertriebsleiter Lohmann & Rauscher GmbH und Präsident der Austromed.

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