Brauner, Ruck, Kaske, Foglar, Hesoun verleihen Wiener Qualitätssiegel an 99 TOP-Lehrbetriebe

IV-Wien-Präsident Wolfgang Hesoun: Die Schaffung und der Erhalt von Arbeitsplätzen sind nur dann möglich, wenn es gemeinsam gelingt Wien und Österreich als Produktions- und Dienstleistungsstandort aufrecht zu erhalten.

V.l.n.r.: AK-Präsident Rudolf Kaske, Präsident WK Wien Walter Ruck, Vize-Bürgermeisterin Renate Brauner, ÖGB-Präsident Erich Foglar, IV-Wien-Präsident Wolfgang Hesoun

Die Wiener Wirtschaftsstadträtin Vizebürgermeisterin Renate Brauner, der Präsident der Wirtschaftskammer Wien Walter Ruck, AK-Präsident Rudolf Kaske, ÖGB-Präsident Erich Foglar und IV-Wien-Präsident Wolfgang Hesoun verleihen heute erstmals das Wiener Qualitätssiegel TOP-Lehr-betriebe. Seit heuer werden damit jährlich Wiener Betriebe ausgezeichnet, die besonders vorbildliche Standards in der Lehrausbildung setzen. Das spezielle Qualitätszertifikat ist von der Wirtschaftskammer Wien, der Arbeiterkammer Wien, dem Österreichischen Gewerkschaftsbund und der Industriellenvereinigung Wien gemeinsam mit der Stadt Wien ins Leben gerufen worden. Ermittelt wurden die TOP-Lehrbetriebe von einer Fachjury aus SozialpartnervertreterInnen. Insgesamt hatten sich 117 Betriebe für das Qualitätssiegel bei der Lehrlingsstelle der Wirtschaftkammer Wien beworben. 99 Betriebe bekamen es nach einem zweistufigen Auswahlverfahren zuerkannt.  

Brauner: „Höchste Qualität in der Lehrausbildung sichert jungen WienerInnen gute Berufschancen und bringt Wirtschaft top Fachkräfte für morgen“

Dazu die Wiener Wirtschaftsstadträtin, Vizebürgermeisterin Renate Brauner: „Die Wiener Wirtschaft braucht gut qualifizierte Fachkräfte. Die Lehrausbildung spielt dabei eine enorm wichtige Rolle. Wir brauchen Betriebe, die auf höchste Qualität in der Ausbildung setzen. Denn je besser junge Menschen ausgebildet werden, umso besser sind ihre Job- und Einkommenschancen und umso bessere Fachkräfte bekommt die Wirtschaft. Mit dem Wiener Qualitätssiegel wollen wir daher bewusst Betriebe vor den Vorhang holen, die sich in der Lehrausbildung engagieren und für höchste Qualitätsstandards stehen. Es soll auch ein Beitrag sein, den Wettbewerb zwischen den Lehrbetrieben in Sachen Ausbildungsqualität anzustoßen und den Wert der Lehre insgesamt wieder stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken“. Brauner würdigt insbesondere die Rolle der LehrausbilderInnen: „Die Qualität der Ausbildung steht und fällt mit der Arbeit der LehrausbilderInnen“. 

In Zusammenhang mit dem Thema Ausbildungsqualität unterstreicht die Wiener Vizebürgermeisterin auch die Bedeutung der überbetrieblichen Lehrausbildung für jene Jugendlichen, die auf Anhieb keine Lehrstelle in einem Betrieb finden: „Immerhin wechseln zwischen 30 und 40 Prozent der Jugendlichen, die in einer überbetrieblichen Ausbildungseinrichtung beginnen, auf einen regulären Ausbildungsplatz in einen Betrieb. Nicht zuletzt dieses Faktum spricht für die hervorragende Ausbildung in den überbetrieblichen Lehrwerkstätten“, zeigt sich Brauner überzeugt. Dieselben Kriterien, die dem Qualitätssiegel für TOP-Lehrbetriebe zu Grunde liegen, werden daher auch als Maßstab für die jetzt schon sehr hochwertige überbetriebliche Lehrausbildung gelten.        

WKW-Präsident Walter Ruck: „Mit dem Qualitätssiegel zeigen die Unternehmen, dass ihnen die Lehrausbildung am Herzen liegt“

Für WKW-Präsident Walter Ruck hat die Lehre hat nach wie vor eine große Bedeutung für Wien. Ruck: „Schließlich übernehmen hier Unternehmer die Verantwortung, die Fachkräfte von morgen auszubilden. Mit dem Qualitätssiegel haben sie eine weitere Möglichkeit zu zeigen, dass ihnen diese Aufgabe am Herzen liegt. Ich bin überzeugt, dass diesen ersten ausgezeichneten Betrieben noch viele weitere folgen werden“.

Kaske: „Qualität in der Lehre garantieren“

„Unsere jungen Leute und ihre Eltern brauchen die Information, ob ein Betrieb gut ausbildet“, sagt AK-Präsident Rudi Kaske. Das Wiener Qualitätssiegel TOP-Lehrbetriebe „bietet diese Information“. Es wird nur an jene Lehrbetriebe in Wien vergeben, die sich wirklich um ihre Lehrlinge bemühen. In den ausgezeichneten Betrieben treten die meisten Lehrlinge nicht nur zur Lehrabschlussprüfung an, sondern bestehen sie auch. Leider, so Kaske, sei das keinesfalls selbstverständlich. Deshalb fordert er die Einführung verbindlicher Qualitäts-Checks für alle Lehrbetriebe, um gute Lehrausbildung zu garantieren. 

Überdies appelliert Kaske an alle Unternehmen, sich verstärkt in der Lehrausbildung zu engagieren: „Wenn wir über die Einführung einer Ausbildungspflicht für die Jugendlichen reden, müssen wir zuvor und zuerst sichern, dass es genügend Ausbildungsplätze in allen Berufen gibt“. Derzeit ersetze die überbetriebliche Ausbildung fehlende Lehrstellen.

Hesoun: „Duale Ausbildung ist Garant für Fachkräftenachwuchs und internationales Erfolgsbeispiel unsers Bildungs- und Ausbildungssystems“

IV-Wien-Präsident Wolfgang Hesoun betont, dass die Schaffung und der Erhalt von Arbeitsplätzen, insbesondere in Bezug auf die Jugendbeschäftigung, nur dann möglich ist, wenn es gemeinsam gelinge Wien und Österreich als Produktions- und Dienstleistungsstandort aufrecht zu erhalten bzw. verstärkt zu positionieren. Hesoun: „Das ist aber nur machbar, wenn Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, auch die richtigen Rahmenbedingungen vorfinden – also beispielsweise ein attraktives steuerliches Umfeld insbesondere in Bezug auf den Faktor Arbeit, ein modernes und praxisnahes Bildungs- und Ausbildungssystem und eine leistungsfähige Infrastruktur. Die duale Ausbildung ist vor diesem Hintergrund ein Garant für hochkompetente Fachkräfte und ein internationales Erfolgsbeispiel unseres Bildungs- und Ausbildungssystems. Daher möchten wir auch mit dem Qualitätssiegel TOP-Lehrbetriebe das Verantwortungsbewusstsein und die Leistung der Wirtschaft in diesem Zusammenhang unterstreichen“.

Foglar: „Mehr Lehrbetriebe für Spitzenausbildung“ 

Was für ein großes Potenzial die Berufsausbildung hat, würden nicht nur die heute hier prämierten erfolgreichen Lehrbetriebe zeigen, betonte ÖGB-Präsident Erich Foglar: „Auch im europäischen Vergleich ist das österreichische Modell der dualen Ausbildung Spitze. Bei den Euroskills, der Berufseuropameisterschaft, haben Österreichs Lehrlinge heuer 19 Medaillen erreicht, davon neun goldene - ein Aushängeschild für Österreich und für die Lehrlingsausbildung!" Veranstaltungen wie die heutige wären laut Foglar gute Gelegenheiten, einmal diejenigen nach vorne zu holen, die nicht tagtäglich im Rampenlicht stehen und trotzdem mit ihrer Arbeit das Rückgrat und das Fundament unserer Wirtschaft bilden. „Bedauerlicherweise ist die Zahl der Ausbildungsstätten für Lehrlinge seit 1980 rückläufig. Aber um unser wirtschaftliches Fundament zu stärken, müssen sich wieder mehr Betriebe zu einer hochwertigen Berufsausbildung bekennen und verstärkt Lehrstellen anbieten“, fordert der Gewerkschaftspräsident.

Ausgezeichnete Betriebe setzen Maßstäbe in der Lehrausbildung

Insgesamt haben sich 117 Betriebe, die das Qualitätssiegel erwerben wollten, bei der Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer Wien dafür beworben. Die Vergabe des  Qualitätssiegels erfolgte dann in einem zweistufigen Verfahren mittels Punktesystem durch eine Jury. Wesentliche Bewertungskriterien waren:

  • Ausbildungsplanung und – dokumentation laut Berufsbild
  • Vorbereitung auf den Berufsschulbesuch und regelmäßige Abstimmung mit der Berufsschule
  • Besondere Ausbildungsinitiativen wie fachliche Weiterbildung, Persönlichkeitsbildung, Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung, Auslandspraktika, Zusatzunterricht, Frauen in nichttraditionellen Berufen, Lehre mit Matura, etc.)
  • Speziell motivierende Maßnahmen für Lehrlinge zur Honorierung hervorragender Leistungen im Betrieb oder in der Berufsschule.
  • Weiterbildung von AusbilderInnen
  • Besonderes soziales Engagement, z.B. durch die Unterstützung benachteiligter Jugendlicher
  • Antritts- und Erfolgsquote von Lehrlingen bei der Lehrabschlussprüfung

Für die Zuerkennung des Qualitätssiegels mussten die Unternehmen mindestens 12 Punkte erreichen. Die Höchstzahl waren 24 Punkte. Die Jury bestand aus je einer/einem VertreterIn von AK Wien, ÖGB, Industriellenvereinigung Wien und Wirtschaftskammer Wien. Die Lehrlingsstelle der WK Wien und die Stadt Wien haben beratende Stimme. Das Zertifikat ist bis Ende 2018 gütig.

Die Jury überzeugt haben neben großen Unternehmen wie z.B. Siemens AG Österreich, A1 Telekom Austria AG, oder Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien AG gerade auch zahlreiche Klein- und Mittbetriebe. Dazu zählen u.a. ACP IT Solutions GmbH (Handel-IT), froemmel's conditorei cafe catering GmbH., Ing. Alexander Wanzenbeck GmbH (Bauspenglerei), Peter MERTEN Gesellschaft m.b.H. (Mechatronik), Walter & Michael Müllner Gesellschaft mbH Nfg KG (Tischlerei) sowie SCHÄFFLER & CO Kommanditgesellschaft (Rauchfangkehrer). Hier ist das hohe persönliche Engagement der UnternehmerInnen selbst in der Ausbildung besonders hervorzuheben. Verliehen wurde das Qualitätssiegel auch Unternehmen der Stadt Wien bzw. Abteilungen der Stadtverwaltung. Diese 99 Betriebe wurden mit dem Wiener Qualitätssiegel TOP-Lehrbetrieb ausgezeichnet: wko.at/wien/top-lehrbetrieb

Rund 4.000 Betriebe bilden 14.900 Lehrlinge aus.

Derzeit werden in Wien rund 14.900 Lehrlinge, 6.000 Mädchen und 8.900 Burschen, in 3.800 Betrieben ausgebildet. 5.160 Lehrlinge werden in der Sparte Gewerbe und Handwerk ausgebildet, gefolgt von den Sparten Handel (2.678 Lehrlinge), Tourismus- und Freizeitwirtschaft (1.645 Lehrlinge) sowie Industrie (1.196 Lehrlinge).

Die beliebtesten Lehrberufe bei den Mädchen sind Einzelhandelskauffrau, gefolgt von Bürokauffrau sowie Friseurin und Perückenmacherin (Stylistin). Bei den männlichen Lehrlingen stehen die Berufe des Elektrotechnikers, des Einzelhandelskaufmanns sowie des Kraftfahrzeugtechnikers an der Spitze der Beliebtheitsskala. 2013 gab es 10.724 Prüfungsantritte bei Lehrabschlussprüfungen, 8.719 Prüfungen wurden bestanden, rund 14 Prozent mit ausgezeichnetem Erfolg. Nichtbestanden 2.005 Prüfungen.

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