Neues Wachstums-Credo - Verzichtskultur und Stillstand sind der falsche Weg

Nach der Corona-Pandemie wird Wirtschaftswachstum ein ganz wesentlicher Faktor dafür sein, die strauchelnden Volkswirtschaften zurück auf Erfolgskurs zu bringen. Doch welches Wachstum brauchen gerade die westlichen Industrienationen jetzt, um in den kommenden Jahren reüssieren zu können? Intelligent, innovativ und nachhaltig sollte es im Idealfall sein – denn wir stehen am Scheideweg.

Die größten Erfindungen der Menschheitsgeschichte zeigen deutlich, wie wichtig Wachstum – in Form von Innovation und Technologie – seit jeher für die Entwicklung der Gesellschaft ist: Die Erfindung der Dampfmaschine im Jahr 1769 beispielsweise genauso wie die des Telefons im Jahr 1861, gefolgt von der Glühbirne im Jahr 1878 oder die des Computers im Jahr 1941. Und nicht zu vergessen der Start des Internets im Jahr 1969. Hier zeigt sich sehr genau: Innovationen sind der Grundstein für Wachstum und sie legen damit auch den Grundstein für zivilisatorischen Fortschritt sowie Wohlstand.

Das lässt sich für Österreich auch in Zahlen eindrucksvoll untermauern: Die Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung im Jahr 1820 lag bei 1.230 Euro – im Jahr 2020 dann schon bei über 42.000 Euro. Ein zentraler Auslöser für diesen Wachstumsschub war vor allem die industrielle Revolution – Hand in Hand mit zahlreichen technologischen Entwicklungen. Die Industrie spielt demnach eine wesentliche Rolle, wenn es um die Wohlstandsfrage geht. Und es gilt nach wie vor, diesen breiten Wohlstand zu sichern – gerade jetzt nach dem ökonomischen Setback bedingt durch die Pandemie. 

In der Prä-Corona-Ära hat sich die Wachstumsdebatte aufgrund der Klimakrise vielerorts im Dunstkreis der Degrowth-Ideologie bewegt – der Vorwurf: „Immer mehr, immer weiter, immer schneller“. Durchaus auch berechtigt, denn die Auswirkungen von ungehemmter Expansion sind evident und nagen an unserer Substanz. Die Degrowth-Alternativen wurden vielfach aber im Rahmen der Verzichtskultur angesiedelt: „Weniger sei mehr“ – so das Credo. Doch jetzt, nach Monaten der Corona-Pandemie, wurde das propagierte Weniger bittere Realität und uns allen die Bedeutung von Wachstum für Wohlstand und Beschäftigung erst richtig bewusst.

Wenn die Pandemie nun als Basis für eine Neudefinition des Wachstumsbegriffs dienen soll, dann muss sie vor allem eines bringen: Ein weiterentwickeltes Verständnis, das sich nicht nur vom „Höher-Schneller-Weiter-Gedanken“ treiben lässt. Das Pendel muss nun auch stärker in die Richtung von intelligentem Wachstum und egalitärem Ressourcenmanagement ausschlagen.

Aber wie kann dieses neue, qualitativ verstandene Wachstum nun definiert werden, um auch dem viel zitierten Nachhaltigkeitsgedanken gerecht zu werden? Eine Kultur der Askese und der Verbote wird uns jedenfalls nicht weiterbringen. Vielmehr braucht es jetzt Innovation und technologischen Fortschritt, um nicht nur der großen Herausforderung Klimakrise Herr zu werden, sondern zudem auch unseren Wohlstand mittel- und langfristig gewährleisten zu können.

Leider hinkt die Innovationskultur und -dynamik hierzulande aber vielfach noch hinterher. John Maynard Keynes hat unser aktuelles Dilemma schon zu Lebzeiten auf den Punkt gebracht: „Die Schwierigkeit ist nicht, neue Ideen zu finden, sondern den alten zu entkommen.“ Die Industrie ist bei dieser Aufgabe ein essenzieller Teil der Lösung und ein wesentlicher Fortschrittstreiber. Dafür braucht sie allerdings Rahmenbedingungen frei von Dogmen und Ideologien, um künftig das „neue Wachstum“ als Quintessenz der kommenden Jahre entfalten zu können. Der Wirtschafts- und Arbeitsstandort Österreich wird es uns jedenfalls danken, profitieren doch vom neuen Wachstum nicht zuletzt auch die nächsten Generationen.

Kontakt

Mag. Tobias Birsak, M.A.I.S.

Themen- und Projektmanager, Geschäftsführer Junge Industrie Wien, Industriellenvereinigung Wien

T +43 1 71135 2463
tobias.birsak@iv.at


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