Gipfelgespräch „Qualifikationsplan Wien 2020“

Mit Bundesminister Alois Stöger, Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner, Bildungsstadträtin Sandra Frauenberger, IV-Wien-Präsident Wolfgang Hesoun und AK-Wien Präsident Rudolf Kaske

V.l.n.r.: AK Präsident Rudolf Kaske, Stadträtin Sandra Frauenberger, Bundesminister Alois Stöger, Stadträtin Renate Brauner, IV-Wien-Präsident Wolfgang Hesoun

Im Jänner 2013 erfolgte der Startschuss für den Qualifikationsplan Wien 2020. Er ist eine gemeinsame Strategie von Stadt Wien, Bund, Sozialpartnern sowie von allen wichtigen Bildungs- und Arbeitsmarkteinrichtungen, um WienerInnen mit höchstens Pflichtschulabschluss zu einer besseren Ausbildung zu verhelfen. Um bisherige Ergebnisse zu analysieren und künftige Schwerpunkt festzulegen, fand am 10. Oktober 2016 auf Einladung von Initiatorin Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner ein Gipfelgespräch mit Bundesminister Alois Stöger, Bildungsstadträtin Sandra Frauenberger, IV-Wien-Präsident Wolfgang Hesoun, AK Präsident Rudi Kaske, den Vertretern der Wirtschaftskammer Wien, Erich Huber, und des ÖGB, Christian Meidlinger sowie Stadtschulratspräsident Jürgen Czernohorszky statt. An diesem hochkarätig besetzen Gipfelgespräch nahmen außerdem waff-Geschäftsführer Fritz Meißl, AMS Wien Chefin Petra Draxl, die Landesstellenleiterin des Sozialministerium Service, Andrea Schmon sowie weitere Arbeitsmarkt- und BildungsexpertInnen teil.

Brauner: “Qualifikation der Wiener Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist entscheidender Faktor für Erfolg des Wirtschaftsstandorts Wien“

Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner: „Die Qualifikation der Wiener Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist ein ganz entscheidender Faktor für den Wirtschaftsstandort Wien. Wir brauchen, um in Zukunft konkurrenzfähig bleiben zu können, gut qualifizierte Fachkräfte.“ Das bestätigen auch aktuelle Studien. Insgesamt wird die Beschäftigung weiter wachsen. Die Nachfrage nach Arbeitskräften, die nur Pflichtschulabschluss haben, wird allerdings sinken. „Die Ziele und dahinter stehenden Maßnahmen des Qualifikationsplans Wien 2020 sind daher aktueller denn je“, unterstreicht die Stadträtin.

Das untermauern auch die aktuellen Arbeitsmarktdaten: Rund die Hälfte aller Wiener Arbeitslosen hat maximal Pflichtschulabschluss. Noch deutlicher zeigt sich die Problematik bei der Arbeitslosquote nach Bildungsniveau: Sie lag 2015 bei Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss bei 38,5 Prozent, bei jenen mit Lehrabschluss hingegen „nur“  bei 13,5 Prozent.

Stöger: „Qualifikationsplan Wien ist österreichisches best practice Modell“

„Arbeitsmarktpolitik ist in Österreich ein wichtiger Motor für berufliche Weiterbildung. Gerade gering Qualifizierte kommen meist nur dann mit Weiterbildung in Berührung, wenn sie arbeitslos sind. Das AMS Wien agiert hier gemeinsam mit dem Land Wien richtungsweisend. Der von Stadträtin Renate Brauner initiierte Qualifikationsplan Wien 2020 und die dahinter stehende breite Kooperation von Bund, Stadt und Sozialpartnern ist ein österreichisches Best Practice Modell“, unterstreicht Bundesminister Alois Stöger. „Berufliche Weiterbildung mit einem formalen Bildungsabschluss erhöht die Arbeitsmarktchancen deutlich. In diesem Zusammenhang ist besonders der Qualifikationspass Wien hervorzuheben, wo AMS Wien und der waff gemeinsam ein innovatives Instrument entwickelt haben“, erklärt der Minister.

Frauenberger: „Jugendliche müssen ihr Bildungsziel erreichen und nicht nur Schulpflicht absitzen“

Für die Wiener Bildungs- und Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger ist die Reduktion des frühen Bildungsabbruches eine zentrale Aufgabe für das Bildungssystem: „Noch immer sind über 15 Prozent der 18 bis 24-Jährigen BildungsabbrecherInnen, 6,4 Prozent der Jugendlichen verlassen die Schule direkt nach der Absolvierung der Schulpflicht. Unser Ziel muss aber sein, dass Jugendliche ihr Bildungsziel erreichen und nicht nur ihre Schulpflicht absitzen. Denn wir wissen, dass die Schule der wichtigste Hebel ist, um Zukunftschancen abzusichern.“ Die Stadt Wien hat daher heuer das Jugendcollege eröffnet, indem 1000 AsylwerberInnen und –berechtigte zwischen 15 und 21 Jahren in einem modularen System notwendige Kompetenzen für Schule oder Berufsausbildung erlangen. „Wenn wir jetzt in unsere Jugendlichen investieren, bauen wir auch an einer guten Zukunft für unsere ganze Gesellschaft“, so Frauenberger.

Hesoun: „Wir müssen der Zukunft einen Schritt voraus sein“  

„Das heutige Gipfeltreffen unterstreicht die Bedeutung des „Qualifikationsplanes Wien 2020“, mit dem es gelungen ist, eine Vielzahl von Aktivitäten nicht nur in ein strategisches Gesamtkonzept zur Höherqualifizierung der Wienerinnen und Wiener zu gießen, sondern auch die Fortschritte gemeinsam zu monitoren“, sagt IV-Wien-Präsident Wolfgang Hesoun, der gleichzeitig aber auch betont, dass noch mehr Anstrengungen unternommen werden müssen, dass die Begeisterung von Kindern und Jugendlichen für technische und naturwissenschaftliche Themen noch stärker als bisher und so frühzeitig wie möglich geweckt werden müsse. „Acht von 10 Industrieunternehmen in Österreich haben Rekrutierungsprobleme in Zukunftsbereichen wie Technik, Produktion oder F&E, da nicht ausreichend technisch ausgebildete Bewerberinnen und Bewerber zur Verfügung stehen. Wir müssen der Zukunft einen Schritt voraus sein - und die liegt in technischen und analytischen Berufen“ so Hesoun.

Kaske: Herausforderungen werden nicht kleiner werden

„Wien wächst. Die Zuwanderung, allen voran die Flüchtlingsbewegung, bringt neue Herausforderungen mit sich. Trotz aller Erfolge des Wiener Qualifikationsplans müssen wir deshalb damit rechnen, dass es auch weiterhin viele Menschen in unserer Stadt gibt, die keine Ausbildung über den Pflichtschulabschluss hinaus haben“, sagt AK Präsident Rudi Kaske und will eine Verlängerung der erfolgreichen und institutionalisierten Zusammenarbeit im Rahmen des Qualifikationsplans Wien über 2020 hinaus.

Maßnahmen des Qualifikationsplans beginnen zu greifen -  jährlich holen über 2.000 WienerInnen den Lehrabschluss nach

Die bisher im Rahmen des Qualifikationsplans Wien gesetzten Maßnahmen beginnen zu greifen. Dank der gemeinsamen Bemühungen wurden gerade auch in der Erwachsenenbildung herzeigbare Ergebnisse erzielt. So holen seit Start des Qualifikationsplans jährlich über 2.000 Wienerinnen und Wiener den Lehrabschluss nach. Das ist eine kontinuierliche Steigerung gegenüber den Jahren vor 2013.

Beispielprojekt: „Qualifikationspass“ wird nach Pilotphase Standardangebot

Der Qualifikationspass Wien wurde von AMS Wien und waff gemeinsam entwickelt und Ende des Vorjahres als Pilotprojekt eingeführt. 1.000 WienerInnen besitzen bereits diesen speziellen Pass, der sie auf direktem Weg zum Lehrabschluss oder einen anderen Ausbildungsabschluss begleitet. In dem Dokument sind alle mitgebrachten Kompetenzen, Bildungsschritte und Ausbildungsziele erfasst und auf einen Blick für alle Institutionen abrufbar, bei denen die betreffende Person andockt. So können sie punktgenau unterstützt werden. Der waff stellt dieses Angebot bereits jetzt seinen KundInnen lückenlos zur Verfügung. Außerdem kooperiert der waff mit Bildungseinrichtungen, wie den Volkshochschulen, dem bfi und dem WIFI, damit sie den Qualifikationspass ihren KundInnen ebenfalls anbieten und gleich an Ort und Stelle anlegen können. Das AMS Wien wird ab November dieses Instrument auf breiter Ebene zum Einsatz bringen.

Qualifikationsplan Wien 2020: Download 

Details zum Qualifikationsplan finden Sie unter:
https://www.waff.at/de/arbeitsmarkt-in-wien/arbeitsmarktpolitik/qualifikationsplan-wien-2020/

Qualifikationsplan Wien 2020 - Messbare Erfolge:

Weniger Jugendliche verlassen das Bildungssystem nach 9 Jahren Schulpflicht:

Schuljahr 2008/2009: 9,0% (1.538 Jugendliche)

Schuljahr 2013/2014: 8,4% (1.347 Jugendliche)

Mehr Jugendliche schließen zumindest bis 24 Jahre eine weiterführende Ausbildung ab – d.h. Die Zahl der „early school leavers“ sinkt:

2009: 11,9% „early school leavers“

2015: 10,2% „early school leavers“

Der Anteil der Lehrlinge, die nach Ende der Lehrzeit einen positiven Abschluss erzielen, soll gesteigert werden:

2011: 82,6 % positive Lehrabschlussprüfungen

2014: 85,4 % positive Lehrabschlussprüfungen

Mehr WienerInnen holen den Lehrabschluss nach:

2011: 1.734 WienerInnen

2015: 2.129 WienerInnen

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